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Ringvorlesung im WS 14/15: Technik und Tragödie – Normale Unfälle und die Wahrscheinlichkeit des Unwahrscheinlichen

Die Ringvorlesung ist ein gemeinsames Projekt der drei interdisziplinären Studienschwerpunkte: Wissenschafts- und Technikforschung: Normen, Ambivalenzen, Gestaltungsoptionen (NAG), Technologie und internationale Entwicklung (TuE), Umweltwissenschaften (UWS), und wird unter der Federführung von NAG organisiert.

Inhalte:

Diese Ringvorlesung mit Lektüre- und Seminaranteilen ist im Rahmen des Interdisziplinären Studienschwerpunkts NAG konzipiert worden. Es geht um das Verhältnis von Technik und Tragödie ganz allgemein und in Bezug auf Fragen der Reaktorsicherheit insbesondere. In Bezug auf die allgemeine Frage steht die Figur des Prometheus im Vordergrund, die historische Erfahrung mit Technik- und Naturkatastrophen, die Interpretation von Unfällen nach literarischen Mustern wie dem der Tragödie. Eine schauspielerische Lesung und eine Museumsexkursion gehören zu diesem Vorlesungsteil.
Die Einsicht, dass Sicherungssysteme ihrerseits einen Unsicherheitsfaktor darstellen können, hat Charles Perrow in seinem vor dreißig Jahren erschienenen Buch Normal Accidents: Living With High Risk Technologies vorgestellt. Aus einer Analyse der Beinahe-Katastrophe in dem Kernkraftwerk Three Mile Island entwickelte Perrow die Vorstellung, dass katastrophale Ereignisverkettungen in komplexen Systemen wahrscheinlich nicht vollständig bzw. nicht dauerhaft zu vermeiden sind. Die Theorie der Normalen Unfälle (ein Ausdruck, der als Normale Katastrophen in die deutsche Sprache übersetzt wurde) besagt, dass katastrophenartige Unfälle insbesondere in eng gekoppelten und komplexen Systemen unvermeidbar sind, insofern einzig die Interaktion multipler Fehler für den Unfall verantwortlich sein kann. Weil Fehler hiernach auf verschiedenartige und unvorhergesehene Weisen auftreten, zählt Perrows Normal Accident Theory zu den so genannten Kontingenztheorien. In diesem Teil der Vorlesung wird der Einfluss Perrows auf die Entwicklung eines neuen Sicherheitsdenkens untersucht, werden technische und technikhistorische Fallstudien vorgestellt.

Termine: Dienstags: 18:05 – 19:45 (21. Oktober 2014 – 10. Februar 2015)

Raum: S1 14/266

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Poster

 

Dimensionen der Zeit

Lehrende: Prof. Dr. rer. nat. Franz Fujara; Dr. Dr. Hanns-Juergen Wiegand

Veranstaltungsart: Seminar

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